Das Jahr 2008
Endlich ging es wieder los! Zu Jahresanfang wurde wieder der altbekannte Proberaum bezogen. Zum Glück wussten noch alle Bandmitglieder, wie man dorthin kommt. Die ersten Termine der „Machmalauter“-Tour 2008, für das Jahresende angesetzt, waren schnell ausverkauft; kurze Zeit später auch die Headliner-Auftritte bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ sowie – innerhalb von 20 Minuten – die beiden „Aufwärm“-Shows in Hamburg und Berlin, ein paar Tage vor den beiden Festivals.
In diesem Tempo machten die Hosen dann auch gleich weiter. Zum ersten Mal in der Bandgeschichte wechselten sie den Produzenten und verbrachten viele Wochen auf einem alten Bauernhof bei Münster, um das erste Studioalbum seit vier Jahren einzuspielen. Noch nie war der Energiepegel der Band höher als während dieser Zeit. In inspirierender Zusammenarbeit mit Vincent Sorg entstand der „Zurück zum Glück“-Nachfolger „In aller Stille“. Das Warten hatte sich gelohnt: Die neue Platte klang etwas dunkler, druckvoller als der Vorgänger; die Texte waren größtenteils ernster. Es ging wieder einmal um alles, es ging um Leben und Tod. Letztendlich war „In aller Stille“ die erste Platte seit dem Konzeptalbum „Ein kleines bisschen Horrorschau“, die ohne einen Ausflug ins Humoristische auskam.
Campino sagte: „Ich stelle fest, dass es relativ wenige Schenkelklopfer und Kalauer auf dieser Platte gibt. Das war am Ende eine bewusste Entscheidung. Wenn du wochenlang über Textzeilen grübelst und ernste Sachen raushaust, kann es passieren, dass du abends auch mal albern wirst. Wir haben solche Nummern dann auch aufgenommen. Es schien uns aber nicht richtig, die Platte damit zu verwässern.“
Das Thema der Platte war und blieb ohne Frage: Energie. Der ungebremste Energiefluss steckte bereits unüberhörbar in der ersten Single „Strom“, mit der sich die Hosen zurückmeldeten. Wenn man die Musiker selbst fragt, welches ihre drei wichtigsten Studioalben sind, landet man immer wieder bei „Ein kleines bisschen Horrorschau“ (1988), „Opium fürs Volk“ (1996) und „Auswärtsspiel“ (2002). Die neue Platte „In aller Stille“ reihte sich, wenn man das Feedback von Fans und Fachmedien zum Maßstab erhebt, nahtlos in die Reihe dieser Klassiker ein. In den ersten Wochen seit November verkauften sich über 250.000 Exemplare. Zum siebten Mal hintereinander schaffte ein Studioalbum der Toten Hosen den Sprung auf Platz eins der Charts.
Was aber nach all der konzentrierten Studioarbeit – die Toten Hosen arbeiteten über ein Jahr an „In aller Stille“ – auch ganz klar war: Konzerte zu spielen, ist nach wie vor das Herzstück der Band. Das sahen zur Freude aller auch die Fans genauso: Der erste Teil der „Machmalauter“-Konzertreise, der im November und Dezember absolviert wurde, war mit über einer Viertelmillion verkauften Tickets die erfolgreichste Tour in diesem Zeitraum im deutschsprachigen Raum.
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